Beer Juliane

Arbeit kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen – Roman

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Beschreibung

Erstausgabe. Wer etwa den satirischen Band „Schule der Arbeitslosen“ von Joachim Zelter gelesen hat, bei dem einem angesichts der geschilderten gar nicht so fiktiven Absurditäten manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt (vor allem wenn man selbst schon so seine Erfahrungen mit „Arbeitsvermittlern“ gemacht hat), könnte auch am vorliegenden Band gefallen finden. Äusserlich komm dieses Buch eher schlicht daher, in grau – amtsgrau sozusagen -, allerdings in feinem Papier und mit einem Linolschnitt auf dem Titel, jedoch ohne die heute branchenüblichen marktschreierischen Anpreisungstexte. Nein, hier gibt es auf dem Umschlag keinerlei mehr oder minder hilfreiche Informationen, was einen denn bei diesem Buch erwarten könnte. Für einen Menschen, der schon Paul Lafargue´s „Recht auf Faulheit“ in einer der zahlreichen Neuausgaben herausgab, klingt der Titel dennoch verheissungsvoll. Und siehe da, der Inhalt korrespondiert wunderbar mit dem wohl bewussten Verzicht auf werbende Klappentexte. Denn nichts lautes hat dieses Buch an sich, es entspinnt sich somit die Dramatik der leisen Töne, auch dies sehr passend zum Thema, denn die da ihren Alltag bewältigen, häufig an ihm leidend, werden öffentlich ja für gewöhnlich nicht wahrgenommen. Zumindet sofern nicht beispielsweise der Sachbearbeiter (neudeutsch: „Fallmanager“ – heutzutage wird ja alles gemanaged, bis hin zur oppurtunen Selbstdisziplinierung mit der Grundhaltung des „Ich will, was ich muss“, die dann schönfärberisch als „Selbstmanagement“ bezeichnet wird) eines Arbeitsamtes erschossen wird von verzweifelten „Kunden“. Das Arbeitsamt, vulgo „Agentur für Arbeit“ oder wie auch immer die nächste „Reformwelle“ es denn benennen möchte, ist im übrigen auch der Hauptschauplatz des Buches. Und ja, das was hier verhandelt wird wird dem Buchtitel allemal gerecht. Tote gibt es auch – sie sterben an einer neuen Droge -, doch ein Krimi ist dies eigentlich nicht. Der langsame Tod – Leben kann man diese würdelose Existenz wirklich nicht nennen – ist jener der 1-Euro-Jobber und Niedriglohnempfängerinnen. Immerhin, es gibt eine Sachbearbeiterin, die ihren Spielraum mehr als ausnutzt und zumindest zu einem doch halbwegs einträglichen Verdienst verhilft. Der Band erschien im Rahmen einer offensichtlich fiktiven Reihe „BWL mit Frau Paesch“ als „Band 16“, ein Fingerzeig, dass hier durchaus auch mit Ironie an die Sache herangegangen wurde. Obgleich man den „Band 17“ für sich im Kopf zurechtphantasieren kann, wäre eine reale Fortsetzung eine freudige Überraschung. Talent hat die Autorin dieses Bandes genügend. Die Frage, die auch die Autorin nicht beantworten kann, gleichwohl sie im Buch gestellt wird, ist die, warum sich Menschen die von dieser Ausnahme abgesehen entwürdigende Behandlung mit unzumutbaren Löhnen, Zwangsandrohungen, Kürzungen etc. in ihrer grossen Masse überhaupt derart stoisch gefallen lassen. Insofern ist dieses Buch gerade wegen der ruhigen Sätze und des vordergründig sanften Erzählflusses im Grunde ein Aufschrei. Für uns eines der besten Bücher 2010/ 2011, mit einer Halbwertzeit, die – gegen den zunehmenden Trend zur Kurzlebigkeit auch im Buchmarkt – allemal über das Erscheinungsjahr hinausweist. (Gerald Grüneklee)

Zusätzliche Information

Gewicht600 g
Zustand

sehr guter Zustand, 204 S., Klappenbroschur

Reihe

BWL 16

Auflage

nummerierte Erstausgabe in 333 nummerierten Exemplaren (hier Nr. 107)

Autor

Erscheinungsort

Berlin

Erscheinungsjahr

2010

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-935194-35-8

Verlag