Seichter Sabine

Der lange Schatten Maria Montessoris – Der Traum vom perfekten Kind

26,00

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Beschreibung

Das Buch liest sich nicht so sehr als differenzierte Auseinandersetzung mit seinem Sujet, sondern vielmehr als unmissverständliche Abrechnung mit Montessori und ihrer Anhängerschaft im deutschsprachigen Raum. Zudem wendet sie sich gegen Tendenzen in den Lebenswissenschaften, die gegenwärtig etwa mit der Pränataldiagnostik den »in der westlichen Zivilisation tief verwurzelten eugenischen Züchtungsphantasien neuen Schwung« (141) gäben – eine wichtige Kritik, die aber einer deutlich komplexeren und differenzierteren Auseinandersetzung bedarf, als sie dieses Buch bietet. Dessen ungeachtet, tut die Autorin gut daran, an den historischen Kontext der Montessori-Pädagogik zu erinnern und damit die Verklärung der Person und »Marke« Montessoris, die jungen Eltern überall begegnet, zu hinterfragen. Zu den Stärken dieses polarisierenden Buchs gehört vor allem Seichters These, dass Montessoris Ideale sehr gut zu unseren gegenwärtigen Leistungsmaximen passen. Die Montessori-Pädagogik setze nämlich auf eine »vom Kind verinnerlichte Selbstdisziplin«, in der sich all das, was ein Kind qua Kindsein auszeichne, ins Gegenteil verkehre: »Kein impulsives, kein spontanes, kein kreatives, kein phantasievolles, kein frei spielendes, kein schreiendes, kein tobendes; mit andern Worten: in Montessoris Lern- und Arbeitsräumen ist kein individuelles Kind (mehr) zu finden. Alle sind normalisiert«, schreibt die Autorin. Die zentrale Losung des Montessori-Ansatzes »Hilf mir, es selbst zu tun!« passe daher gut zur »Klaviatur neoliberalen Erziehens«, die auf Anpassung, Selbstoptimierung und Leistungsmaximierung setze statt auf wirkliche Diversität und ein soziales Miteinander – eine These, die sich durchaus breit zu diskutieren lohnt. (Buchkritik auf spektrum.de). Allerdings: das „perfekte Kind“ sollte auch körperlich vollkommen sein – die Autorin landet so bei der „perfekte Rasse“ und steigerte sich in einen regelrechten Rassenwahn hinein, mit dem sie, wenig erstaunlich, an faschistische Ideologien andockte. Das ist eigentlich lange bekannt – wurde aber bisher zumeist verdrängt und selten so klar nachgezeichnet. Doch noch im Filmdrama „Maria Montessori“ von Lea Todorov, das 2024 in die Kinos kam, wird an der Legende einer Pädagogin gestrickt, die ganz von einem Gedanken getrieben ist: „solange man die Kinder liebt, können sie alles lernen. Nicht Disziplinierung, sondern ihre Freiheit wird zeigen, welche Schätze in den Kindern verborgen sind“, so heisst es etwa in einer Filmankündigung der Bremer Filmkunst Theater. Das klingt schön – dass die Wirklichkeit eine andere war, zeigt dieses Buch!

Zusätzliche Information

Gewicht 600 g
Zustand

sehr guter Zustand, 195 S., mit e-book inside, Pappband, geb.

Autor

Erscheinungsort

Weinheim, Basel

Erscheinungsjahr

2024

ISBN/ISSN-Nummer

978-3-407-25937-0

Verlag